Dynamische Stromtarife: Strom kaufen, wenn er günstig ist
Seit 2025 muss jeder Stromanbieter einen dynamischen Tarif anbieten. Statt eines festen Arbeitspreises zahlen Sie darin den Börsenpreis der jeweiligen Stunde. Das klingt nach einer Wette – ist aber vor allem eine Frage, ob Sie Ihren Verbrauch verschieben können.
- Voraussetzung
- intelligentes Messsystem
- Anteil am Preis, der schwankt
- etwa ein Drittel
- Realistische Ersparnis
- 80 – 250 € pro Jahr
Was ein dynamischer Tarif tatsächlich ist
Strom wird an der Börse stündlich gehandelt. Der Preis richtet sich danach, wie viel gerade erzeugt und gebraucht wird. Weht nachts kräftig der Wind und schläft halb Deutschland, ist viel Strom da und wenig Nachfrage – der Preis fällt, in Einzelstunden sogar unter null. An einem windstillen Winterabend um 18 Uhr ist es umgekehrt.
In einem klassischen Tarif merken Sie davon nichts: Ihr Anbieter mittelt die Schwankungen über das Jahr und schlägt einen Risikoaufschlag drauf. In einem dynamischen Tarif geben Sie diesen Aufschlag ab und übernehmen dafür die Schwankung selbst.
| Bestandteil | Anteil grob | Schwankt? |
|---|---|---|
| Beschaffung (Börsenpreis) | ca. 30 – 40 % | ja, stündlich |
| Netzentgelte | ca. 25 – 30 % | nein |
| Steuern und Abgaben | ca. 30 – 35 % | nein |
| Grundgebühr des Anbieters | fester Monatsbetrag | nein |
Wann Strom günstig ist – und wann teuer
Die Muster sind erstaunlich stabil. Günstig wird es meist nachts zwischen 1 und 5 Uhr, an windigen Tagen auch tagsüber, und mittags zwischen 11 und 15 Uhr, wenn die Photovoltaik im ganzen Land einspeist. Teuer wird es morgens zwischen 7 und 9 Uhr und abends zwischen 17 und 20 Uhr – genau dann, wenn die meisten Menschen kochen, waschen und laden.
Zwischen der günstigsten und der teuersten Stunde eines Tages liegen häufig 15 bis 25 Cent je Kilowattstunde. Wer eine Wallbox nachts statt abends laufen lässt, verschiebt bei einer Ladung von 40 Kilowattstunden also durchaus sechs bis zehn Euro.
Was Sie realistisch sparen
Hier trennen sich Werbung und Wirklichkeit. Wer nichts an seinem Verhalten ändert und keine steuerbaren Verbraucher hat, spart mit einem dynamischen Tarif fast nichts – manchmal zahlt er sogar drauf, weil die teuren Abendstunden genau in seinem Verbrauchsprofil liegen.
Interessant wird es, sobald größere Verbraucher automatisch in die günstigen Stunden rutschen: Batteriespeicher, Wärmepumpe, Wallbox. Für einen Haushalt mit Speicher und E-Auto sind 80 bis 250 Euro im Jahr eine realistische Größenordnung. Wer Ihnen vierstellige Beträge verspricht, rechnet mit Ausnahmestunden, nicht mit einem Jahr.
Was Sie dafür brauchen
- 1
Intelligentes Messsystem
Ein digitaler Zähler allein genügt nicht. Es braucht das Gateway, das die Viertelstundenwerte übermittelt. Bei über 6.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch oder einer Anlage über 7 kWp ist der Einbau ohnehin vorgesehen, sonst kann man ihn beantragen.
- 2
Passender Tarif
Achten Sie weniger auf den beworbenen Durchschnittspreis als auf den Aufschlag je Kilowattstunde und die Grundgebühr. Genau daran verdient der Anbieter, alles andere ist durchgereicht.
- 3
Steuerbare Verbraucher
Speicher, Wärmepumpe und Wallbox müssen die Preisdaten verarbeiten können. Bei modernen Geräten ist das eine Einstellung, bei älteren braucht es ein Energiemanagementsystem dazwischen.
- 4
Einmal einrichten, dann laufen lassen
Die Steuerung soll automatisch arbeiten. Wer jeden Abend selbst in eine App schaut, um die Waschmaschine zu starten, hält das keine drei Wochen durch.
Für wen sich das nicht lohnt
Wir sagen es lieber vorher als hinterher – in diesen Fällen bleiben Sie besser beim Festpreis:
- Sie haben keine steuerbaren Großverbraucher und Ihr Verbrauch liegt hauptsächlich am Abend.
- Ihr Jahresverbrauch ist gering. Bei 2.000 Kilowattstunden bleibt selbst bei gutem Verschieben kaum etwas übrig.
- Schwankende Abschläge sind für Sie ein Problem. In einem kalten, windstillen Winter kann eine Monatsrechnung spürbar höher ausfallen.
- Sie sind selten zu Hause und können den Verbrauch ohnehin nicht verlagern.
Zusammen mit einer Photovoltaikanlage
Die Kombination ist der eigentliche Grund, warum wir das Thema überhaupt ansprechen. Ihre Anlage deckt den Sommer weitgehend ab – das Problem sind die dunklen Monate, in denen der Speicher regelmäßig leer läuft und Sie zukaufen müssen.
Genau dann spielt ein dynamischer Tarif seine Stärke aus: Der Speicher lädt nachts zum niedrigen Preis und deckt damit den teuren Morgen und Abend ab. Aus einem Speicher, der im Winter kaum etwas bringt, wird so ein Gerät, das ganzjährig arbeitet.
Ob sich das für Ihr Haus rechnet, hängt an drei Zahlen: Ihrem Jahresverbrauch, der Speichergröße und der Frage, ob eine Wärmepumpe oder ein E-Auto dazukommt. Wir rechnen das im Beratungsgespräch mit Ihren echten Werten durch – und sagen Ihnen auch, wenn der Festpreistarif für Sie die bessere Wahl bleibt.