Lohnt sich eine Solaranlage wirklich?
Auf diese Frage bekommen Sie im Internet zwei Antworten: „unbedingt“ von Anbietern und „kommt drauf an“ von Verbraucherportalen. Beides hilft wenig. Wir erklären, welche vier Faktoren tatsächlich entscheiden – und wo die Grenze verläuft, ab der wir selbst abraten.
- Amortisation ohne Speicher
- 10 – 13 Jahre
- Amortisation mit Speicher
- 12 – 15 Jahre
- Lebensdauer der Module
- 25 – 30 Jahre
Der wichtigste Faktor ist nicht das Dach, sondern Ihr Verbrauch
Viele denken zuerst an die Dachausrichtung. Tatsächlich entscheidet Ihr Stromverbrauch stärker über die Wirtschaftlichkeit. Der Grund ist simpel: Strom, den Sie selbst verbrauchen, ersetzt Netzstrom für rund 35 Cent je Kilowattstunde. Strom, den Sie einspeisen, bringt nur etwa 7,71 Cent. Zwischen beiden liegt der Faktor viereinhalb.
Ein Haushalt mit 2.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch kann kaum genug selbst nutzen, um eine große Anlage auszulasten. Ein Haushalt mit 5.000 Kilowattstunden, Wärmepumpe oder E-Auto dagegen verwandelt fast jede erzeugte Kilowattstunde direkt in gesparte Stromkosten.
Süddach ist schön, aber keine Bedingung
Ein nach Süden geneigtes Dach liefert den höchsten Jahresertrag. Ost-West-Dächer kommen auf etwa 85 Prozent davon – verteilen die Erzeugung aber gleichmäßiger über den Tag. Morgens und abends, also genau dann, wenn im Haushalt am meisten läuft, liefern sie mehr als ein Süddach. Für den Eigenverbrauch ist das oft der bessere Verlauf.
In Berlin und Brandenburg rechnen wir mit rund 950 Kilowattstunden Ertrag je Kilowatt-Peak und Jahr. Wer Ihnen für diese Region deutlich über 1.100 verspricht, rechnet die Amortisation schön.
Was ein Speicher ändert – und was nicht
Ohne Speicher decken Sie typischerweise 33 bis 38 Prozent Ihres Jahresverbrauchs selbst. Mit einem passend dimensionierten Stromspeicher steigt dieser Autarkiegrad auf 65 bis 80 Prozent. Das klingt nach einem Selbstläufer, ist aber eine Rechenaufgabe: Der Speicher kostet 450 bis 750 Euro je Kilowattstunde Kapazität und verlängert die Amortisationszeit um etwa zwei bis drei Jahre.
Dafür macht er Sie unabhängiger von Preissteigerungen und liefert – richtig ausgelegt – auch bei Netzausfall Strom. Ob sich das für Sie rechnet, hängt vom Verbrauchsprofil ab. Wer tagsüber im Haus ist, braucht weniger Speicher als jemand, der morgens rausgeht und abends kocht, wäscht und lädt.
Wann wir abraten
Es gibt Fälle, in denen wir selbst sagen: lassen Sie es – oder zumindest noch nicht. Ehrlichkeit an dieser Stelle kostet uns einen Auftrag, spart Ihnen aber viel Geld.
- Das Dach muss innerhalb der nächsten fünf Jahre neu gedeckt werden. Dann warten Sie – oder machen beides in einem Zug.
- Die nutzbare Fläche ist dauerhaft und großflächig verschattet, etwa durch ein höheres Nachbargebäude.
- Der Jahresverbrauch liegt deutlich unter 2.000 Kilowattstunden und wird sich absehbar nicht erhöhen.
- Ein Verkauf des Hauses steht kurz bevor. Die Anlage steigert zwar den Wert, aber selten um die volle Investitionssumme.
Und was ist mit steigenden Strompreisen?
Viele Anbieter rechnen mit drei bis fünf Prozent Strompreissteigerung pro Jahr. Das verkürzt die Amortisationszeit auf dem Papier erheblich – ist aber eine Wette auf die Zukunft. Wir rechnen bewusst mit konstantem Strompreis, auch im Kosten-Rechner. Steigt er, verkürzt sich Ihre Amortisation zusätzlich. Wir werden lieber positiv überrascht, als eine Prognose zu verkaufen, die niemand halten kann.