Die Solaranlage im Winter: Was bleibt vom Ertrag?
Im Juni läuft die Anlage, im Dezember steht sie fast still – so lautet das Vorurteil. Die Wahrheit liegt dazwischen und ist für die Planung durchaus wichtig.
- Sommerhalbjahr
- ca. 70 – 75 % des Jahresertrags
- Dezember & Januar
- je 2 – 3 % des Jahresertrags
- Kälte
- erhöht den Wirkungsgrad
Die realistische Verteilung übers Jahr
Eine 10-kWp-Anlage in Brandenburg liefert im Juni rund 1.200 Kilowattstunden, im Dezember etwa 200 bis 250. Das ist ein Verhältnis von etwa fünf zu eins – deutlich, aber eben nicht null.
Über das Winterhalbjahr von Oktober bis März kommen immer noch rund ein Viertel bis ein Drittel des Jahresertrags zusammen. Das reicht an vielen Tagen für Grundlast, Beleuchtung und einen Teil des Haushaltsstroms.
Kälte ist gut, Schnee ist meist unproblematisch
Ein verbreitetes Missverständnis: Solarmodule mögen Wärme. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall – der Wirkungsgrad sinkt mit steigender Temperatur. Ein kalter, klarer Wintertag liefert pro Sonnenstunde mehr Leistung als ein heißer Julitag.
Schnee auf den Modulen bringt die Erzeugung dagegen tatsächlich zum Erliegen. In der Regel rutscht er innerhalb weniger Tage von selbst ab: Die glatte Glasoberfläche und die Restwärme der Module sorgen dafür, ab etwa 25 Grad Dachneigung recht zuverlässig.
Was das für Ihre Planung bedeutet
- Rechnen Sie nicht mit Winterautarkie. Ein Speicher, der Sie durch den Dezember bringt, wäre unbezahlbar groß.
- Ein Speicher lohnt sich trotzdem – er verlängert die Nutzung an sonnigen Wintertagen bis in den Abend.
- Bei einer Wärmepumpe steigt der Verbrauch genau dann, wenn die Anlage am wenigsten liefert. Das gehört ehrlich in die Wirtschaftlichkeitsrechnung.
- Ein dynamischer Stromtarif spielt seine Stärken im Winter aus: Bei viel Windstrom fallen die Börsenpreise nachts deutlich.
Unsere Ertragsprognosen berücksichtigen den Winter selbstverständlich – wir rechnen mit Jahreswerten, nicht mit Sommermonaten hochgerechnet. Wenn ein Angebot auffällig optimistisch wirkt, lohnt genau hier die Nachfrage.